Schaffen digitale Lösungen mehr Zeit für den Patienten?

Auf dem Hauptstadtkongress für Medizin und Gesundheit haben wir verschiedene Experten befragt und in einem Video für Sie zusammengestellt.

Digitale Lösungen im Gesundheitswesen haben großes Potential, die Effizienz des Handelns grundlegend zu verbessern. Roboter-Assistenz kann gewisse Routineaufgaben des Personals übernehmen, Künstliche Intelligenz kann bei der Entscheidungshilfe in Diagnostik und Therapie einen wertvollen Beitrag leisten und digitale Vernetzungslösungen können den Administrationsaufwand verringern sowie den Datentransfer und die Kommunikation sektorenübergreifend wirksamer gestalten. Die Implementierung innovativer Lösungen im Gesundheitswesen wird in Deutschland jedoch vielfach durch strenge Regularien, festgefahrene Strukturen sowie Skepsis aufseiten der Mitarbeiter ausgebremst. Dies ist auch positiv zu beurteilen: Neue Prozesse und Systeme können dadurch nicht ohne gründliche Prüfung und verantwortungsvolle Implementierung Anwendung finden. Auf der anderen Seite hinkt Deutschland in der Digitalisierung im Gesundheitswesen im internationalen Vergleich hinterher und es gibt offensichtlichen Aufholbedarf.  

Entmenschlichung oder mehr Menschlichkeit an der richtigen Stelle? 

Digitale Lösungen für mehr Zeit für PatientenHinsichtlich des großen Potenzials der Digitalisierung, stellt sich die Frage, wo in Zukunft noch Raum für menschlichen Kontakt in der Versorgung der Patienten sein wird? Wenn bei routinisierbaren und standardisierbaren Arbeitsbereichen von einer Entmenschlichung der Prozesse gesprochen wird, ist es verständlich, dass die Digitalisierung ein gewisses Unbehagen bei dem einen oder anderen Mitarbeiter auslösen kann. Welche Jobs werden in Zukunft wegfallen, welche Arbeitsbereiche werden sich verändern und werden Patienten in Zukunft von Maschinen behandelt? Veränderungen machen Angst, sind gleichzeitig aber auch notwendig, um den Status Quo zu verbessern. Die demografischen Entwicklungen in Deutschland deuten auf einen Anstieg der Versorgungsfälle hin. Es herrscht Personalmangel, während Krankenhäuser aufgrund der Personalkosten nicht aus den roten Zahlen kommen. Wieso also nicht das Personal dort unterstützen, wo es möglich ist, etwa bei Routinearbeiten, bei der Administration, der Dokumentation und durch Vermeidung von Doppelarbeiten? Eine Entlastung des Personals in diesen Bereichen schafft mehr Zeit an anderer Stelle, beispielsweise für mehr menschlichen Kontakt mit dem Patienten.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar und gehen gerne in einem persönlichen Gespräch auf Ihre Situation, Fragen und Perspektiven ein.

 

Kommentare

  1. Klaus Noll-Hussong sagt:

    Aus meiner Sicht und mit dem Blick in Realität und Zukunft der Situation der Pflege in den Krankenhäusern in DACH können wir doch nur damit reagieren, dass wir das Berufsbild Pflege (wieder) äußerst attraktiv gestalten. Das gelingt uns, wenn wir an den Stellen digitalisieren und zukünftig vielleicht auch robotisieren, welche zum einen in Summe keine Argumente der Entmenschlichung zulassen und zum anderen aber höchst priorisiert (Mehr)- Zeit für die Pflege = Mehrwert für die Patienten generieren. Allerdings verstehe ich jene nicht, die glauben/befürchten, dass nach den Entlastungen in sekundären/tertiären Bereichen weiterhin zu wenig Zeit für Pflege und Patient in Dialog und Empathie bleibt. Das Berufsbild der Pflege wird sich dem Laufe der Entwicklung anpassen müssen, scheint mir. Wie oft erlebte ich, dass sich eine Aula voller Pflegekräfte geschlossen entrüstet, wenn ich zum Thema Materialversorgung von den Vorteilen eines automatisierten Bestellsystems für die Stationen, von einer Schrankversorgung mit Versorgungsassistenten oder gar von einem Outsourcing des Krankenhauslagers sprach….
    Eine elektronische Patientenakte als Basis von sicherem Datenaustausch und Wissenstransfer macht doch den Beruf wieder modern. Eine App auf dem Tablet zeigt in Echtzeit, dass eben der Versorgungsassistent die Materialschränke aufgefüllt und den zeitkritischen Artikel persönlich übergeben hat; der Patient Martin M. seit 5 Minuten im CT liegt und voraussichtlich in 15 Minuten wieder auf der Station eintrifft; der OP-Koordinator entspannt sein OP-Programm für den kommenden Tag und die überall installierten großen Monitore freigibt, weil die OP-App bestätigt hat, dass alle erforderlichen Implantate bereits am Tag zuvor im OP angeliefert wurden und zwei der fünf Krankheitsausfällen gleich wieder in der Planung berücksichtigt hat, weil beide ihre „Gesund-Pin“ gesendet haben …..
    Wir müssen nicht nur digitalisieren und entlasten, sondern glaubhafte Beweise liefern, dass wir das können, andere es nachmachen/noch besser machen ….. um „die Gutmenschen Pflege zu unterstützen, ihre Sorgen und Ängste abbauen und in Begeisterung umwandeln zu können!“

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