Power to the Patient – vom Patientenportal zum Patientencoach

Ein Vortrag von Peter Albiez auf der Digital Health Conference 2018 in Berlin.

Peter Albiez ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland

Power to the patient - ein Vortrag auf der Digital Health Conference 2018 in Berlin

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Die Digitalisierung, eine historische Chance

Peter Albiez - CEO Pfizer auf der Digital Health Conference 2018 in BerlinDie Digitalisierung wird die Medizin grundlegend prägen und verändern. Wir werden eine tiefe Transformation erleben, wie Gesundheit und Medizin in der Zukunft vom Einzelnen, von den Gesundheitsakteuren und der Gesellschaft als Ganze gelebt und gestaltet werden. Wir erleben gerade eine globale Entwicklung, die Gesundheit immer ins Zentrum individueller und auch gesellschaftlicher Diskussionen und Zielsetzungen bringt. Die Digitalisierung eröffnet den Patienten eine große, ja historische Chance. Eric Topol, ein amerikanischer Kardiologe, ein Author und Vordenker der Medizin der Zukunft hat es in seinem wegweisenden Buch auf den Punkt gebracht. The patient will see you now ist der Titel und die Essenz des lesenswerten Buches. Er ist überzeugt, dass im Gesundheitswesen eine neue Ära angebrochen ist, in der die digitalen Technologien dazu führen werden, dass Power to the patient kommen wird. Worin liegt dies begründet? Wir sehen es geschehen. Direkter Zugang zu neuesten medizinischen Informationen, Online anytime, everywhere. Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen Betroffenen und mit engagierten Patientenvertretern und Selbsthilfegruppen in bisher nicht gekanntem Maße. Zugang zu medizinischen Experten über Landes und Staatsgrenzen hinweg und Gesundheitsmanagement mit gesundheitlichen Monitoring Tools und Devices. Und all das ist erst der Beginn. Die Entwicklung ist in Gang, global und mit immer größerer Dynamik. Bei all der Euphorie über die Möglichkeiten der Digitalisierung, müssen wir allerdings konstatieren, dass wir in Deutschland weit ins Hintertreffen geraten sind. Die Diskussion wird hier bei uns zu defensiv, zu zögerlich, teilweise ängstlich geführt. Was man an Diskussionen um den Datenschutz erkennen kann. Das ist in anderen Bereichen der Welt anders. In den USA mit der wir viel zusammenarbeiten läuft das wesentlich stärker nach vorne gewandt. Es ist Zeit, dass wir jetzt die vielen guten Ideen, die ja da sind, auf die Straße zu bringen. Dafür müssen wir aber jetzt und miteinander handeln für eine gesunde Zukunft. Was braucht es dazu? Bereitschaft und Offenheit von uns allen. Unternehmen, Mitarbeiter, Ärzte, Politiker und selbstverständlich auch Patienten und deren Angehörige. Denn eins ist glaube ich klar, der viel zitierte digitale Wandel, geschieht nicht einfach mal eben so. Er muss gemacht und muss gestaltet werden. Es ist ein Prozess in welchem man alle Beteiligten frühzeitig einbinden und mitnehmen muss.

Wir haben bei Pfizer einige engagierte Kolleginnen und Kollegen die früh damit begonnen haben, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Wie können wir die digitalen Entwicklungen für uns nutzen? Dabei entstand die Idee, gemeinsam mit Start-Ups unser Know-How und unser Branchenwissen in digitale Lösungen für die Versorgung zu übersetzen. Mit diesem Gedanke haben wir 2014 den Healthcare Hub Berlin ins Leben gerufen. Es ist eine Art Experimentierlabor für digital health solutions. Sie hatten vielleicht draußen schon Gelegenheit, den Stand von uns zu besuchen. Das Motto, dass wir ausgerufen haben war: Co-create, co-innovate, collaborate. Und damit haben wir die Zusammenarbeit mit den Start-Ups auf den Weg gebracht. Berlin war kein schlechter Platz dafür. Sozusagen der Place to be. Wir waren mit diesem Programm Vorreiter, mehr als 10 weitere Hubs sind inzwischen weltweit entstanden, die sich an unserem Model orientiert haben. Das ist also durchaus von Deutschland aus ein innovativer Impuls. Es gibt jetzt Hubs bei Pfizer in London, Tel Aviv, Stockholm, Sydney und seit diesem Jahr auch in Freiburg.

Versorgungsansätze

Einer der Versorgungsansätze, die wir im Hub entwickelt und mit anderen Partnern auf den Weg gebracht haben ist ein kleiner Sensor. Mit diesem Sensor kann man Schlaganfälle verhindern, indem man sich diesen Sensor auf die Brust klebt, damit auch duschen kann und dabei Daten und Vitalparameter erfasst. Es ist im Grunde ein EKG, dass hier aufgezeichnet wird. Vorhofflimmern, einer der wesentlichen Risikofaktoren bei Schlaganfällen, kann hiermit rechtzeitig entdeckt werden. Die Daten werden per Bluetooth auf ein mobiles Gerät übertragen. Patienten können entscheiden, ob sie diese Daten mit Ihrem Arzt teilen wollen. Der Patient ist und bleibt hier Herr seiner Daten. Er hat jederzeit die Möglichkeit seine Daten anzuschauen und bei Auffälligkeiten zu reagieren. Das ist eine der Möglichkeiten wie die Digitalisierung schon heute die Medizin verändert und dem Patienten mehr Selbstbestimmung bei seiner Gesundheit gibt.

In einem zweiten Beispiel haben wir mit Viomedo kooperiert. Wir haben einen Weg gesucht, den Zugang zu klinischen Studien für deutschsprachige Patienten, zu erleichtern. Die zentrale Frage war: wie kann hier Transparenz geschaffen werden? Für Patienten, die an einer Erkrankung leiden, die bisher nicht oder nur unzureichend behandelt werden kann, ist es die einzige Möglichkeit Zugang zu neuen Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Bisher ist dies schwierig, komplex und anspruchsvoll. Viomedo bietet die erste deutschsprachige Plattform an, auf der klinische Studien einfach, patientengerecht und auf Deutsch erklärt werden. Als erstes Unternehmen in Deutschland hat Pfizer schon jetzt all seine Studien auf dieser Plattform hinterlegt. Es erleichtert den Patienten eine für sie geeignete klinische Studie zu finden. Man kann zudem direkt mit dem Studienzentrum in Kontakt treten und auch eine mögliche Teilnahme an einer Studie anfragen. Es ist ein weiteres Beispiel für Patient Empowerment.

Die dritte Idee, die ich vorstellen möchte, ist vor ziemlich genau zwei Jahren an genau diesem Ort, hier im Meistersaal, entstanden. Seit über 10 Jahren kommen wir hier jährlich mit etwa 100 Patientenvertretern zusammen, um gemeinsam über die Patientenversorgung zu diskutieren. 2016 kam in dieser Runde die Idee für “Hilfe für mich” auf. Hilfe für mich ist ein digitaler Wegweiser, der Patienten und deren Angehörige auf mehreren Ebenen hilft. Es bietet gut aufbereitete medizinische Informationen, Alltagshilfe und Orientierung in der komplexen Versorgungslandschaft. Das Angebot haben wir über unterschiedliche Indikationsbereiche ausgebreitet. Der Beginn war metastasierender Brustkrebs, Nierenkrebs, Schlaganfall und seit neuem entzündliche Darmerkrankungen erarbeitet und bereitgestellt. Die Nutzer können dann auf einem gut aufbereiteten Repertoir an über 100 Fragen und Antworten, die für sie jeweils wichtigen Informationen filtern. Zum Beispiel, welche Untersuchungen notwendig sind oder wie man den Wiedereinstieg in den Beruf, optimal gestalten kann.  

Diese Projekte hätten wir nicht alleine erarbeiten können. Es ist nur deshalb gelungen so etwas aufzubauen, weil wir zusammengearbeitet haben. Deshalb freue ich mich , Ihnen mitteilen zu können, dass Hilfe für mich als Gemeinschaftsprojekt mit vielen Akteuren entstanden ist. Es waren Patientenvertreter, es waren Ärzte, Spezialisten, IT-Experten und Pfizer-Mitarbeiter, die in einem multidisziplinären Team daran gearbeitet haben, dass wirklich maßgeschneidert für die Bedürfnisse von Patienten zu entwickeln.

Ich hab Ihnen ein paar Einblicke und Beispiele gegebenen, wie die Patientenversorgung ganz praktisch, bereits heute durch digitale Anwendungen unterstützt werden kann. Zusammenfassend sind mir drei Aspekte wichtig.

Die drei wichtigsten Aspekte

  • Die digitale Zukunft der Medizin hat bereits begonnen und schreitet global mit großer Dynamik voran. Haben wir Mut vorne mit dabei zu sein und die digitale Zukunft der Medizin und Gesundheit aktiv zu gestalten?
  • Um die Potenziale der neuen digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen, müssen wir alle nicht mit dem Finger auf jemand zeigen, sondern wir alle zusammen, Ärzte, Patienten, Unternehmen, Krankenkassen, die Politik, Start-Ups unsere Kompetenzen und Fähigkeiten zusammenbringen, um gute Lösungen für die Patienten zu entwickeln.
  • Die Digitalisierung wird Power to the patient bringen. Das ist eine große historische Chance. Stellen wir uns vor, Patienten gestalten in der Zukunft Ihre Gesundheit selbstverantwortlich und alle Akteure des Gesundheitssystems, unterstützen sie dabei mit besten Kräften. Lassen wir diese Vorstellung Wirklichkeit werden.

 

 

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