Wie viele Patienten möchten ihre Behandlungsdaten digital übermittelt bekommen? Ist die Nachfrage in Krankenhäusern gestiegen?

Patienten möchte ihre Gesundheitsinformationen und Aufnahmen aus bildgebenden Verfahren mehr und mehr aus den Kliniken mitnehmen. Diese reagieren darauf und geben ihren Patienten diese Daten digital mit auf den Weg.

Die Nachfrage ist jedoch noch deutlich abhängig vom Alter der Patienten; bei der jüngeren Klientel steigt sie stetig. Die digitalaffinen Patienten sind zudem immer weniger bereit, beispielsweise Bilddaten auf CDs oder DVDs von einem Leistungserbringer zum anderen hin und her zu tragen. Sie erwarten, dass solche Daten digital vom niedergelassenen Arzt zum Beispiel ins Krankenhaus und dann zum Radiologen etc. transferiert werden.

Generell sind ist die deutsche Bevölkerung im europäischen Vergleich sehr zögerlich und eHealth-Anwendungen wurden insgesamt sehr wenig angenommen in Deutschland. Hier sind besonders strenge Datenschutzregelungen und bestehende Ängste vor Veränderungen ausschlaggebend.

Rundfrage auf dem Krankenhaus-Branchentreff 2018 in Berlin

Thomas A. Kräh – Geschäftsführer medius KLINIKEN

Natürlich wollen Patienten ihre digitalen Aufnahmen haben. Bei uns verlässt kein Patient, wenn er ein CT oder MR hat das Krankenhaus, wenn er auf Wunsch die Bilder haben will, dann kriegt er sie auf CD mit. Punkt. Nicht diese großen Röntgentüten. Natürlich bekommt man bei uns, wenn man das Krankenhaus verlässt auch gleich den Arztbrief mit. Das ist, glaube ich, das allerwichtigste. Denn es nutzt ja nichts, die elektronische Patientenakte auf dem USB Stick mitzugeben und der Patient muss sich damit zurechtfinden. Ich glaube da würden wir die Bevölkerung überfordern, die Familie überfordern, den einzelnen Menschen überfordern. Sondern, kurz zusammengefasst: In einem Arztbrief, wenn man das Krankenhaus verlässt, müssen, für ihn selbst, für seine Familie und für den weiterbehandelnden Hausarzt, diese Informationen.

Der Arztbrief ist dann digital oder Papier?

Nein, das ist dann Papier, keine Diskette, kein USB Stick, das ist ganz normal Papier. Wenn die elektronischen Daten in der elektronischen Patientenakte sind, dann ist es jetzt nicht nur ein Knopfdruck, sondern es sind verschiedene Informationen, die ich aus der elektronischen Patientenakte raushole, aus denen ich dann den Arztbrief für den Patienten erstelle. Und bevor er nach Hause geht, kommt dieser Brief praktisch aus der Datei. Papier macht man halt auch, also ganz ohne Papier geht’s auch im digitalen Krankenhaus nicht.

Christoph Schmitz – Kaufmännischer Direktor Marienkrankenhaus Hamburg

Ja, grundsätzlich. Das hängt natürlich so ein bisschen vom Alter der Patienten ab. Gerade in den Bereichen Geriatrie, Innere Medizin haben wir einen relativ hohen Altersdurchschnitt, da ist die Nachfrage natürlich nicht so groß. Aber in anderen Bereichen, wo wir gemischtere oder jüngere Patientenklientele haben, ist die Nachfrage deutlich steigend. Patienten mögen es nicht mehr und sind da auch sichtlich weniger bereit, beispielsweise Bilddaten auf CDs oder DVDs von einem Leistungserbringer zum anderen hin und her zu tragen. Sondern sie erwarten, dass eben solche Daten digital vom niedergelassenen Arzt zum Beispiel ins Krankenhaus und dann zum Radiologen etc. auch optimal transferiert werden.

Übermittlung von Patientendaten an PatientenProf. Dr. Norbert Roeder – Medizinischer Geschäftsführer Klinikum Mittelbaden

Auf Seiten einiger Patienten steigt sie. Wir konnten das jetzt sehen bei der Einführung der Software Vivy, die durch private Krankenversicherungen eingeführt wurde. In kurzer Zeit war das Limit der potenziellen kostenfreien Nutzer erschöpft. Es ist also ein Interesse da. Aber ob der durchschnittliche Patient das jetzt intensiv nutzen wird, da bin ich kritisch. Mein Vater ist 85 Jahre alt, dem haben wir jetzt nochmal versucht ein Handy zu verpassen, um mit ihm über What´s App zu kommunizieren. Er hat es dann irgendwann aufgegeben. Es ist ja auch eine Frage, welche Gruppe sprechen wir an. Bei den jungen Leuten, wenn ich an meine Söhne denke, die sind Anfang 20, die würden das sofort nutzen, die würden gar nichts anderes mehr nutzen. Dazwischen, zwischen meinem Vater und meinen Söhnen, liegen dann mehrere Generationen und dann muss man mal schauen, wie die Bevölkerung das annimmt. Denn wir haben es bisher insgesamt zu wenig angenommen in Deutschland. Und wenn wir vergleichen mit anderen Bereichen, wie z.B. Online Shopping, da wird es ja intensiv angenommen, warum soll das im Gesundheitswesen nicht auch funktionieren. Bloß bauen wir uns intern viele Hürden auf bezüglich des Datenschutzes, weil wir das nicht so richtig verstehen, was da passiert und dann sind da imaginäre Ängste und die werden dann auch durch entsprechende Publikationen in der Presse bedient.

Judith Heepe – Pflegedirektorin der Charité Universitätsmedizin Berlin

Das ist eine Altersfrage. Bei den Patienten, die älter sind und die, wie ich, noch gar nicht so aufgewachsen sind in der digitalen Welt, da wird das häufig auch mit Skepsis betrachtet. Skepsis, die ich auch nachvollziehen kann. Die Frage ist: Wer kann dann alles auf meine Daten gucken? Jüngere hingegen, die sehen das nicht so kritisch, wenn ich sowas mache wie Online-Terminbuchung für Ambulanztermine etc. Und die Nachfrage wächst stetig. Und man kann auch beobachten, das ist jetzt fernab der digitalen Akte, dass digitale Medien abverlangt werden von Patienten, wenn die länger auf Station liegen. Also ein Bereich ohne Wlan ist für alle unter 40 Jahren mittlerweile eine echte Zumutung.

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