Die elektronische Patientenakte – Grundlage für digitale Innovationen?!

23.01.2018

Einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte - eEPA

Im Rahmen des Projektes „Der digitale Patient“ hat die Bertelsmann Stiftung einen Expertenbeitrag veröffentlicht. Darin wird beleuchtet, welche technologischen und organisatorischen Themen notwendig sind, um  elektronische Patientenakten zu etablieren und mit deren Hilfe einen umfassenden Nutzen zu erzeugen. Mit Hilfe von digitalen Plattformen – mit der Patientenakte als Basis – können technologische Potentiale voll ausgeschöpft werden und als Ausgangspunkt für digitale Prozessinnovationen dienen. Zur Umsetzung dieser einrichtungsübergreifenden Akten wird ein 3-Stufenplan vorgeschlagen:

  1. Etablierung der eEPA als Dokumentenakte (Speicher- und Verwaltungsort für Befunde, Arztbriefe und andere Dokumente)
  2. Integration von weitergehenden Diensten (z.B. Medikationsplan, Notfalldaten und Laborwerte)
  3. Ausbau zum Kern einer Behandlungsmanagement-Plattform als Enabler für digitale Innovationen in verschiedensten Use Cases

Die größten Hürden liegen nicht in der technischen Umsetzung, sondern viel mehr spielen soziotechnische und organisatorische Faktoren eine große Rolle. Dazu bedarf es eines klaren Fahrplans und eines eindeutigen Rahmens, sowie verbindlicher Standards – ansonsten entstehen nicht-orchestrierte Insellösungen bzw. -systeme. Diese würden den Gesamtnutzen der digitalen Plattform konträr entgegenstehen und mögliche (positive) Netzwerkeffekte verhindern. Die Autoren fordern das nachhaltige (Weiter-)Denken und Entwickeln des Projektes mit der Verankerung einer konsequenten politischen Verantwortung. Dazu wurde ein Governance-Modell entworfen, das relevante Gruppen und Experten in den Prozess einbezieht, jedoch die eindeutige Entscheidungs- und Richtlinienkompetenz der Politik in Form des Bundesministeriums für Gesundheit definiert. Der Vorschlag sieht vor, dass ein eEPA-Bundesinstitut die Rahmenbedingungen definiert (u.a. Datenschutz und Betreibermodelle),  die Einbindung der Akteure über einen Beirat (oder ähnliche Konstrukte) erfolgt und die gematik den Betriebs der Telematikinfrastruktur verantwortet.

Wir begrüßen ausdrücklich den Aufruf der Autoren zum Weiterdenken der Patientenakte, um digitale Prozessinnovationen durch intelligente Vernetzung zu ermöglichen. Seit unserer Gründung verfolgen wir mit unserem modularen Produktportfolio konsequent diesen Ansatz. Der hier skizzierte Entwurf einer zentralen Governance zur Definition von weiteren Standards, Normen und Strukturen wurde in anderen Industrieren bereits erfolgreich demonstriert. Allerdings sehen wir auch die Gefahr einer Überregulierung bzw. Verzögerung von notwendigen Entwicklungen, die unser Gesundheitssystem noch weiter in der Digitalisierung zurückfallen lässt. Wir sind der Meinung, dass bereits technisch ausreichende Strukturen existieren und sich gute Lösungen durchsetzen werden, die auch eine Prozessintegration mit sich bringen. Dafür ist weniger eine Regulierung, als eine guter Mix aus organisatorischer, fachlicher und technischer Expertise erforderlich. Entscheidend ist, dass mit Piloten ausreichend Erfahrung und Außenwirkung erzeugt wird, die nicht durch überformalisierte Prozesse und mangels Wissen unnötig gebremst werden.

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