Langsam aber sicher – Digitalisierung im Gesundheitswesen vorerst keine Prio

Digitalisierung im Gesundheitswesen geht im Schneckentempo voran
In seiner Regierungserklärung vom 23.03.2018 stellt der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Pflege, Wartezeiten und Finanzierung vorerst in den Mittelpunkt. Zwar hat er mit Gottfried Ludewig die seit Dezember letzten Jahres vakante Stelle des Leiters der Abteilung für Digitalisierung besetzt, nennt die Digitalisierung aber lediglich eines vieler weiterer Projekte, die nach der Sommerpause auf ihn warten.

Obwohl die Regierung schon 2003 das Gesundheitswesen reformieren wollte, gehört es zu den am wenigsten digitalisierten Branchen in Deutschland. Patienteninformationen werden oft nur mündlich ausgetauscht und Dokumentationen werden noch immer überwiegend in Papierform erfasst. Zudem liegen Patientendaten in Arztpraxen oder Krankenhäusern nicht selten offen zugänglich herum. Mit dem E-Health-Gesetz wurde zum 1. Januar 2016 erneut mit Fristen versucht, eine Digitalisierung im Gesundheitswesen sukzessiv herbeizuführen. Doch die Fristen stellen sich nach und nach als wenig realistisch heraus. Das Ultimatum für den Anschluss der Ärzte an die Telematikinfrastruktur (TI) ist laut E-Health-Gesetz der 1. Juli 2018. Es soll den sicheren Datenaustausch zwischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen ermöglichen. Die benötigten Konnektoren für den Anschluss an die TI gingen allerdings zu spät in Produktion und die Frist wurde vom Gesetzgeber um sechs Monate, zum 1. Januar 2019, verlängert. Experten halten auch die neue Frist für wenig realistisch.

Im Hinblick auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen will die Regierung laut Koalitionsvertrag „einen konkreten Aktionsplan bis 2020 mit Maßnahmen und Meilensteinen aufstellen“. Der Wille eines Aktionsplans mit konkreten Maßnahmen spiegelt sich in der Regierungserklärung Spahns allerdings nicht wider. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in den kommenden Monaten aufseiten der Politik entwickeln. Umso mehr sind jetzt Visionen, Eigeninitiative und Unternehmertum gefragt, um digitale Lösungen voranzutreiben. Trotz der bisherigen Verzögerungen sind wir zuversichtlich, dass dieses Jahr große Schritte bei der Vernetzung der Leistungserbringer gemacht werden.

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