Digitalisierung im Gesundheitwesen – in Deutschland nur erste Tendenzen erkennbar

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung hinkt Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens deutlich hinterher. Im Vergleich mit 17 Ländern landet Deutschland dabei lediglich auf dem vorletzten Platz. Dass ein enormer Nachholbedarf bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens besteht, darüber waren sich auch die Experten auf dem Europäischen Gesundheitskongress 2019 in München einig. So stünden in Deutschland bereits nicht unerhebliche Datenmengen zu Verfügung, diese werden bisher allerdings nicht systematisch genutzt und ausgewertet. Defizite bestehen ebenfalls in der Einführung von neuen Technologien zur Reduzierung von Dokumentationsaufwänden sowie bei der intersektoralen Vernetzung von unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen. Auch Michael Gabler, Bereichsleiter Firmenkunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, sieht in der Digitalisierung einen Ermöglicher für die zukunftssichere Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens. Dennoch könne man aktuell bisher nur von ersten Tendenzen sprechen: „In einer Vielzahl merken wir das auch heute schon in der alltäglichen Praxis, sei es mit Krankenhausinformationssystemen (KIS), Praxis-Software, mit ersten Tendenzen diese miteinander zu vernetzen. Es sind aber meiner Meinung nach nur Tendenzen, sehr eingeschränkt und oft regional fokussiert oder fokussiert auf einzelne Player“, so Gabler. Das vollständige Interview sehen und lesen Sie im Anschluss.

 

 

Interview mit Michael Gabler, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG

Herr Gabler, Sie sind Bereichsleiter Firmenkunden bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG. Könnten Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Arbeit geben, mit welchen Schwerpunkten befassen Sie sich?

Vielleicht kurz zur Einordnung, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank konzentriert sich ausschließlich auf den Gesundheitsmarkt. Damit sind wir die einzige Bank in Deutschland, die alle Facetten abdeckt, von der ambulanten Versorgung, der stationären Versorgung, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Reha und bis hinein in die Gesundheitsindustrie, wie beispielsweise Medizintechnik, Pharma, Pharmagroßhandel und Abrechnungsgesellschaften. Die letzten beiden sind die Schwerpunkte, die in meinem Bereich verantwortet werden und meine Aufgabe ist es, diesen strategisch weiter zu entwickeln.

 

Wir sind heute auf dem Europäischen Gesundheitskongress 2019, was sind für Sie heute die zentralen, diskussionswürdigen Themen?

Die zentralen Themen, die man mitbekommt, sind die deutlichen Veränderungen, die aktuell im Gesundheitswesen stattfinden. Die Herausforderungen, denen sich die verschiedenen Segmente stellen müssen und wie man dafür Lösungen findet. Beispielweise müssen wir schauen, wie wir Versorgung zukunftssicher mitgestalten können. Wie wir für Patienten und Patientinnen gute Möglichkeiten finden, sie gesund werden zu lassen. Gleichzeitig müssen wir es aber auch schaffen, dass all die Menschen, die für Versorgung ihre Aufgabe übernehmen wollen, d. h. in Praxen oder Krankenhäusern, unverändert ein attraktives Arbeitsumfeld vorfinden.

 

Welchen Stellenwert nimmt in diesem Kontext die Digitalisierung für Sie ein? Wie verändert sich das Gesundheitssystem durch Digitalisierung bzw. wie verändern sich auch die Kundenanforderungen?

Also ich hoffe, dass wir zügig verstehen und akzeptieren, dass Digitalisierung auch ein Ermöglicher ist. Das ist das, was ich mir an dieser Stelle auch erhoffe. Digitalisierung kann Vernetzung unterstützen, kann helfen Daten transparent und auch anders nutzbar zu machen, kann helfen Versorgung anders zu organisieren. Digitalisierung wird aber definitiv nicht dazu führen, dass der Faktor Mensch nicht eine ganz wichtige Rolle spielt. Er kann sich aber hoffentlich zukünftig mehr auf seine Kernthemen konzentrieren, sei es die Aufgaben in der Pflege, die Aufgaben als Arzt oder Apotheker, dass da einfach viele Dinge abgenommen werden.

 

An welcher Stelle sehen Sie bereits, dass Digitalisierung erfolgreich eingesetzt wird?

In einer Vielzahl merken wir das auch heute schon in der alltäglichen Praxis, sei es mit Krankenhausinformationssystemen (KIS), Praxis-Software, mit ersten Tendenzen diese miteinander zu vernetzen. Es sind aber meiner Meinung nach nur Tendenzen, sehr eingeschränkt und oft regional fokussiert oder fokussiert auf einzelne Player und da werden wir sicher in der Zukunft eine höhere Dynamik brauchen und auch eine größere Geschwindigkeit, so wie wir das teilweise auch in anderen Ländern schon sehen.

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