Digitale Dokumentation und Kommunikation für mehr Entlastung in der Pflege?

Fakt ist: Die Arbeitslast in der Pflege nimmt weiterhin zu. Plurale Handlungsfelder, höhere Verantwortungen und zunehmende interprofessionelle Zusammenarbeit erhöhen den Leistungsdruck. Hinzu kommen die anhaltenden Herausforderungen bezüglich der Personalrekrutierung. Entlastung versprechen sich Experten vom Einsatz digitaler Lösungen zur Kompensation und Entlastung des Personals. Doch im Vergleich zu anderen Branchen gilt die Pflege immer noch als Nachzügler der Digitalisierung. Digitalisierungsgegner befürchten zudem einen Verlust der Menschlichkeit, eine Ersetzung durch Technik und Maschinen. Dabei gehören technische Lösungen aus vergangenen Digitalisierungswellen bereits heute zu wertvollen Standards in der Pflege und können aus dem Alltag nicht mehr weggedacht werden. Die Frage lautet demnach nicht, ob Digitalisierung Einzug in die Pflege halten wird, sondern wie wir sie sinnvoll in den Ausbildungs- und Pflegealltag integrieren werden.

Zukünftig erhoffen sich die Einrichtungen vor allem Entlastung durch eine Reduzierung des Dokumentationsaufwandes sowie durch eine digitalisierte Kommunikation im Pflegealltag. Die Reduzierung des Verwaltungsaufwandes durch Digitalisierung könnte somit eine wichtige Brücke bauen zwischen dem Spannungsfeld von steigenden Leistungen und Personalmangel, hin zu einer zunehmend patientenzentrierteren Arbeitsorganisation und mehr Zwischenmenschlichkeit in der Pflege. Damit dies gelingen kann, braucht es vor allem Akzeptanz seitens der Belegschaft. Das Klinikum Regensburg hat bereits erkannt, dass Akzeptanz vor allem durch Einbezug geschaffen wird: „Die Belegschaft ist da sehr aufgeschlossen, weil neue Lösungen eingeführt werden, indem die Pflege beteiligt wird. Die Pflege schreibt in diesem Fall auch die Konzepte, sie erklärt den Bedarf und wie das System dann letztendlich ausgestaltet werden muss“, so Alfred Stockinger, Pflegedirektor des Universitätsklinikums Regensburg.

 

 

 

Interview mit Alfred Stockinger, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Regensburg

 

Wie verändern sich Ihrer Wahrnehmung nach Aufgaben und Handlungsfelder in der Pflege? 

Die Handlungsfelder in der Pflege sind bereits jetzt sehr vielfältig. Es gibt gerade am Universitätsklinikum viele Aufgaben und Verantwortungen, die der Pflege übertragen werden. Da gibt es in der akuten Pflege beispielsweise das Wundmanagement, das Schmerzmanagement und speziell bei uns im Klinikum das Case-Management, wo auch Pflegekräfte das Case-Management machen, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung der Patientenversorgung, die Prozessoptimierung und Leistungssteuerung.

 

Sind Leistungen in der Pflege allgemein gestiegen und welchen Stellenwert nimmt interprofessionelle Zusammenarbeit in diesem Zusammenhang ein? Nimmt diese tendenziell auch zu?  

Die Leistungen sind gestiegen, es ist mittlerweile eine hohe Arbeitslast in der Pflege. Viele Aufgaben, hohe Verantwortung und von daher ist schon aus diesem Grunde eine interprofessionelle Zusammenarbeit essentiell und erforderlich: in der Krankenversorgung, speziell auch in der Pflege, die Zusammenarbeit mit den Ärzten. Man muss sich abstimmen, man muss auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um die Patienten gut und sicher zu versorgen.

 

Sie betreiben am Universitätsklinikum Regensburg den Pflegecampus Regensburg. Inwiefern unterscheidet sich die Ausbildung dort von anderen Ausbildungsmodellen, welche Vorteile bringt diese mit sich?

Der Pflegecampus Regensburg ist eine ganz besondere Einrichtung. Es ist eine Kooperation mit dem Caritas Krankenhaus St. Josef. Wir sind hier seit vielen Jahren in der Ausbildung zusammen und haben mit diesem Pflegecampus eine neue Dachmarke geschaffen und gleichzeitig haben wir die Ausbildungsplätze um 100 % angehoben und verdoppelt. Das Besondere am Pflegecampus ist, dass die Auszubildenden sowohl ein kleineres Krankenhaus sehen und die Praxis miterleben können und auch hier bei uns am Universitätsklinikum die Maximalversorgung und Patientenversorgung auf höchstem Niveau.

 

Welche Rolle spielt Digitalisierung, sowohl in der Ausbildung als auch in der alltäglichen Praxis interprofessioneller Zusammenarbeit?

Die Digitalisierung ist sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis ein wichtiger Baustein, um die Arbeit insgesamt zu verschlanken und einfacher zu machen. Es gibt ohnehin immer noch viel zu viel schriftliche Dokumentation, also Papierdokumentation. Das ist insbesondere auch für die Pflege noch eine hohe Last, alles aufzuschreiben und zu verschriftlichen. Von daher ist die Digitalisierung ein wichtiger Schritt. Wir sind am Universitätsklinikum im Bereich aller Intensivstationen bereits mit einem PDMS-System ausgestattet und werden dies nun zukünftig auch auf den Allgemeinpflegestationen Schritt für Schritt umsetzen.

 

Wie reagiert die Pflege/das Personal auf digitale Lösungen? Steigern diese eventuell sogar die Attraktivität des Arbeitsplatzes?

Also die Belegschaft ist da sehr aufgeschlossen, weil neue Lösungen eingeführt werden, indem die Pflege beteiligt wird. Die Pflege schreibt in diesem Fall auch die Konzepte, sie erklärt den Bedarf und wie das PDMS-System dann letztendlich ausgestaltet werden muss. Sprich, wie muss die digitale Patientenakte, die digitale Patientenkurve, dann abgebildet werden, welche Bausteine müssen eingefügt werden, die die Dokumentation dann abbilden können?

 

Welche Aspekte/Prozesse sollten Ihrer Meinung nach zukünftig noch besser optimiert werden? Was wünschen Sie sich diesbezüglich für die Zukunft?

Was ich schon angesprochen habe, die interprofessionelle Zusammenarbeit. Hier kann noch viel mehr auf Augenhöhe gearbeitet werden. Es ist ja jetzt momentan der politische Wille, die Pflege zu stärken, das ist eine ganz tolle Sache, aber in der Umsetzung muss es eben auch funktionieren. Die Pflege kann und will mehr Aufgaben übernehmen und diesbezüglich haben wir Verantwortung und das muss man der Pflege einfach zugestehen.

 

 

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