Zukunft Krankenhaus – digitaler Paradigmenwechsel und innovative Kollaborationen

COVID-19, neue Regularien des Gesetzgebers und Digitalisierungsdruck – die Rahmenbedingungen unter denen Krankenhäuser Versorgungssicherheit gewährleisten müssen, ändern sich aktuell disruptiv. Der gesteigerte Versorgungsbedarf und sich ändernde gesellschaftliche Anforderungen treffen auf schwindende Ressourcen. Krankenhäuser befinden sich im Konflikt zwischen der Lösung von akuten (finanziellen und strukturellen) Problemen und der langfristigen Sicherung von Markenattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Wie gelingt den Häusern die Transformation in eine zukunftsfähige Versorgungswelt? Welche Megatrends und Geschäftsmodelle werden sich durchsetzen?

Digitale Zukunft Krankenhaus

Schrecken ohne Ende – Häuser erwarten wirtschaftliche Verschlechterung in den nächsten fünf Jahren

Wird zunächst die aktuelle Situation der deutschen Kliniklandschaft betrachtet, kommt wenig Zukunftsstimmung auf. Laut aktueller Krankenhausstudie von Roland Berger hat sich die Wirtschafts- und Innovationskraft der Häuser auch in diesem Jahr in einer neuen Dimension verschlechtert. Lag der Anteil defizitärer Häuser im Jahr 2020 bereits bei 49 Prozent, verschlechtert sich der Ausblick weiter. Erstmals rechnet mehr als die Hälfte der Kliniken mit einem Umsatzrückgang.

Neu ist, dass nicht mehr nur öffentliche Träger, sondern zunehmend auch private Kliniken in finanzielle Bedrängnis geraten. Zur Abwendung weiterer Verluste steht eine strategische Neuorientierung bei den befragten KrankenhausmanagerInnen im Fokus, allen voran mit 4,7 Prozent der Ausbau der Digitalisierung. Damit stehen digitale Maßnahmen erstmals an der Spitze geplanter strategischer Neuausrichtungen bei den Häusern, noch vor dem Ausbau des stationären und ambulanten Portfolios (Abb. 1).

An Fahrt gewinnt der digitale Ausbau vor allem durch die Einführung des Krankenhauszukunftsgesetztes (KHZG). So versprechen sich die Häuser nicht nur steigende Effizienzgewinne, sondern auch mehr Zufriedenheit unter Patienten und Mitarbeitern.

Die Befragung verdeutlicht, dass Krankenhäuser durchaus relevante Zukunftsthemen erkennen und diese für sich nutzbar machen wollen. Neben der Digitalisierung und steigenden IT-Ausgaben wird auch Nachhaltigkeit als zentrales Thema identifiziert. Dennoch scheitert es nach Aussagen der befragten ManagerInnen zumeist an fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen zur Umsetzung der Transformation. So sehen die KrankenhausmanagerInnen auch weiterhin die Politik in der Pflicht zur Schaffung fehlender Anreize.

Strategische Reorientierung – Auf welchen Bereichen liegt der Fokus Ihrer strategischen Maßnahmen? 

Abb.1: Roland Berger Krankenhausstudie 2021

 Gesteigerter Bedarf an der Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten

Gegenüber der bisher schwachen digitalen Innovationsleistung der Häuser, steht der gestiegene Bedarf an der Nutzung neuer Technologien seitens der Gesellschaft und Patienten. Einerseits erfordert die Bewältigung der COVID-19 Pandemie selbst innovative, digitale Lösungsansätze. Auf der anderen Seite wurden durch Kontakt- und Interaktionsbeschränkungen alternative Konzepte wie telemedizinische Angebote notwendig und vorangetrieben.

Homecare, interoperable Vernetzung und partizipative Patienten – was die Future of Health-Initiative von Deloitte noch bis zum Jahr 2040 prognostizierte, wird durch die Pandemie in Kombination mit neuen Initiativen und Regulierungen des Gesetzgebers bereits heute angestoßen und zur erfahrbaren Realität. Wie nie zuvor fördert die Pandemie gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Nutzung von digitalen Services und führt darüber hinaus zu einem neuen Bewusstsein und dem Wunsch mit der Ressource Gesundheit (auch bereits im gesunden Zustand) aktiv und selbstgestaltend umgehen zu können. Digitale Lösungen stellen einen Ansatzpunkt, um unkompliziert Wissen sowie partizipative und präventive Angebote zur Verfügung zu stellen.

So prognostiziert Deloitte in der Studie „Life Sciences & Health Care Predictions 2025” einen Paradigmenwechsel hin zu einem volldigitalisierten, integrierten und patientenzentrierten Versorgungsmodell. Fortgeschrittene Technologien und Dateninteroperabilität sorgen für kontinuierlich vernetzte Versorgung und Pflege. Erweiterte Netzwerkkonnektivität bietet eine Vielzahl an Optionen für Echtzeitüberwachungen und das Kombinieren von Daten über Biosensoren. Digitale Tools sammeln und interpretieren Daten zu Vitalparametern in Echtzeit, egal ob im Krankenhaus oder zuhause. Multidisziplinäre Teams erleichtern die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen, die funktions- und organisationsübergreifend erfolgreich zusammenarbeiten. Neue Aus- und Weiterbildungsmodelle haben Mitarbeiter darauf vorbereitet, digitale Technologien und KI dafür zu nutzen, Dienstleistungen und Services rund um den Patienten zu designen.

Soziodigitale Innovationen im Fokus

Soziodigitale Innovationen im Fokus

Auch im Kontext der BVDW-Zukunftsvisionen für digitale Gesundheit 2030 stehen hochdigitalisierte und patientenzentrierte Szenarien für die Gesundheitsversorgung der Zukunft im Fokus. Dabei verschiebt sich der Schwerpunkt des Gesundheitswesens laut BVDW eindeutig weg von reiner Krankheitsbehandlung, hin zu mehr präventiver Selbstwirksamkeit des Patienten.

Die Integration in eine eigenverantwortliche und partizipative Gesundheitsfürsorge beruht auf einer präventiven Vorbereitung und Aufklärung über den körperlichen Zustand. Als unabdingbare Basis für die Realisierung dieses Szenarios stehen soziodigitale Innovationen, deren Eingang in das Gesundheitssystem bereits jetzt beobachtbar ist.

KI und maschinelles Lernen kommen bereits in vielen Bereichen mit zugänglichen Daten zur Anwendung und revolutionieren Diagnostik und Prävention von Krankheiten. Digitale Assistenzsysteme sowie Telemedizin ermöglichen direkt und unkompliziert Zugang zu Therapien und unterstützen bei der Bewältigung des Alltags. Robotische Systeme finden Eingang in die Rehabilitation oder Laborarbeit.

Auch digitale Plattformen und Patientenportale sind bereits im Einsatz und sollten zukünftig noch stärker für eine effiziente Vernetzung und die Übertragung von Gesundheitsdaten zwischen unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen genutzt werden. Um zukunftsfähige Lösungen voranzubringen und ein geeignetes, digitales Angebot für selbstbestimmte Gesundheitsprävention und -fürsorge zu schaffen, bedarf es einer offenen und unabhängigen Testung unterschiedlicher Umgebungen und Infrastrukturen.

Gesundheitsholismus und Kollaborationen

Die Szenarien verdeutlichen – im Gesundheitssystem der Zukunft rückt der Patient und dessen Selbstwirksamkeit in den Blickpunkt. Der Einsatz von digitalen Services bildet in jedem Szenario die Basis für stärker individualisierte und partizipative Versorgungsformen. Ebenso besteht Einigkeit darin, dass digitale Lösungen die Brücke hin zu einem vollständig vernetzen und integrierten Gesundheitssystem bauen werden. So werden sich Deloitte zufolge neuartige Kollaborationen und Partnerschaftscluster zwischen Leistungserbringern, Industrie und Forschung bereits bis 2025 als Innovationsbeschleuniger bewährt haben.

Die Einführung revolutionärer Medikamente und Technologien wird schneller vorangetrieben als jemals zuvor. Die digitale Transformation, die durch neue Standards und interoperable Daten, fortschrittliche Technologien und Analysen sowie sichere, offene Plattformen ermöglicht wird, hat einen Großteil dieses Wandels vorangetrieben.

Neue Standards für Datenaustausch, Analyse und Transparenz sind entstanden, die das Vertrauen stärken, die Effizienz steigern, den Zugang erweitern und die Kosten senken. Alle Stakeholder sind sich darüber bewusst, wie wichtig es ist, sowohl zwischen als auch innerhalb der Partnerschaften ein hohes Maß an Vertrauen zu investieren und zu pflegen. Auch gegenüber Patienten und der Öffentlichkeit. Der Zugang zur Vollversorgung unter einem Dach wird an Bedeutung verlieren. Stattdessen wird der Fokus auf regionale und dynamische Netzwerke und der organisationsübergreifenden Bereitstellung von Versorgungsdienstleistungen liegen. Für Krankenhäuser bietet dieses Szenario die Chance, sich in ihrer Identität nicht mehr nur als Akutversorger, sondern als Teil eines holistischen Systems zu begreifen, in dem Angebote von Partnern integriert und die Zusammenarbeit über Sektoren- und Organisationsgrenzen hinweg ausgebaut wird.

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