Was ist ein Krankenhaus 4.0 und wie sieht es im Idealfall aus?

Das Krankenhaus 4.0 ist die Vision eines Krankenhauses, das die Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt stellt und durch intelligente Vernetzungsstrukturen effizienter und transparenter arbeitet. Roboter Assistenz übernimmt operative Arbeiten des Pflegepersonals und Künstliche Intelligenz, die sich mittels Big Data selbst optimiert, hat sich als unentbehrliche Entscheidungshilfe bei Diagnostik und Therapie der Patienten etabliert. Das Pflegepersonal ist durch die Automatisierung von routinisierbaren und standardisierbaren Prozesse entlastet – die Entscheidungshoheit bleibt jedoch immer beim Menschen. Im Krankenhaus 4.0 ist die Interoperabilität über Sektorengrenzen hinweg gewährleistet und alle an der Versorgung beteiligten Leistungserbringer können in Echtzeit miteinander kommunizieren und wichtige, gesundheitsrelevante Daten miteinander austauschen. Fehlt beispielsweise in einem ländlich gelegenen Krankenhaus wichtige Expertise für eine Operation, kann ein internationaler Experte live zugeschaltet werden und die Operation ortsungebunden betreuen. Unnötige Doppelarbeiten werden vermieden, administrative Arbeiten werden auf ein Minimum reduziert, die Diagnostik wird weitestgehend vorverlagert und das Krankenhaus 4.0 dient vor allem der Therapie und Behandlung der Patienten.

Gewisse Bereiche, wie beispielsweise die Krankenhauslogistik, werden größtenteils entmenschlicht und Arbeitsfelder werden neu definiert. Während manche Prozesse im Krankenhaus 4.0 durch digitale Lösungen ersetzt werden, wird das Personal an anderer Stellen gebraucht. Entmenschlichung führt so zu mehr Raum für menschlichen Kontakt: dort wo er besonders nötig ist, bei der Betreuung und Versorgung der Patienten.

Das ist das Krankenhaus 4.0 im Idealfall. Bis zum Krankenhaus 4.0 gibt es allerdings noch viel Handlungsbedarf. Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff zufolge sind wir heute noch beim Krankenhaus 1.5 bis 2.0. Doch wie können wir die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Deutschland vernünftig vorantreiben, ohne im internationalen Vergleich weiter zurückzufallen? Auf dem Hauptstadtkongress haben wir mit mehreren Experten über die Idee des Krankenhaus 4.0 gesprochen und sie im Video für Sie bereitgestellt.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar und gehen gerne in einem persönlichen Gespräch auf Ihre Situation, Fragen und Perspektiven ein.

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Im Interview mit

Jan Brönnecke – Legal Manager, Dierks+Company

Prof. Dr. Hans-Beautus Straub – Ärztlicher Direktor und Chefarzt, Epilepsie Klinik Tabor Bernau

Thomas Wollny – Inhaber & Geschäftsführer, blueAlpha GmbH

Dr. Andreas Tecklenburg – Vorstand des Ressorts Krankenversorgung, Medizinische Hochschule Hannover

Betina Lavender – Inhaberin, Lavender Coaching & Training

Dr. Albrecht Kloepfer – Leitung Büro gesundheitspolitische Kommunikation

Dr. Sebastian Teschler – Geschäftsführer, Reha Vital GmbH

Armin Sülberg – Interim Manager, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

Rainer Bensch – Gesundheitspolitischer Sprecher, CDU

Aussagen zur Frage: Was ist ein Krankenhaus 4.0 und wie sieht es im Idealfall aus?

Jan Brönnecke: Hospital 4.0 sieht im Idealfall so für mich aus, dass keine Information mehr verloren geht. Dass wir einen Informationsfluss haben von privaten Daten des Patienten die gesundheitlich relevant sind zum Krankenhaus und innerhalb des Krankenhauses. Von der Aufnahme bis hin zur Entlassung, zum Beispiel ohne Friktionen das Datum das gebraucht wird einfach übertragen wird.

Prof. Dr. Hans-Beautus Straub: Krankenhaus, wo wir vor allem den Dokumentationsaufwand mit digitaler Unterstützung minimieren können und trotzdem zuverlässig gestalten und ich wiederhole mich, Zeit gewinnen und nicht Zeit verlieren. Zeit für Menschen um die wir uns kümmern wollen.

Thomas Wollny: Aus meiner Sicht ist Hospital 4.0 ein papierloses voll digitalisierts Haus mit weitestgehend automatisierten Prozessen in der Beschaffung. Dann aber auch in der Empfehlung von Diagnosen für Ärzte und auch in der Integration zwischen Hausärzten und dem Klinik-Personal und Klinik-Ärzten.

Dr. Andreas Tecklenburg: Ich glaube, dass sich viel Akquise von Daten vor die Klinik verlegen und wir werden mehr Cloud Lösungen haben, mehr Unterstützung von Artificial Itelligence zur Entscheidungsfindung. Das bedeutet, dass die Aufenthalte in der Klinik deutlich kürzer werden und nicht mehr für Diagnostik, die wird vorher stattfinden, sondern nur noch Therapie.

Betina Lavender: Ich glaube auch, dass wir so was haben werden wie Roboter die natürlich die Station versorgen werden. Wir werden keine Pflegekräfte mehr heranziehen müssen für den Logistik Sektor beispielsweise.

Dr. Albrecht Kloepfer: Die nicht mehr bestehende Notwendigkeit Dinge physisch von Mensch zu Mensch zu klären, das betrifft eher die ambulante Versorgung. Ich bin im Krankenhaus gar nicht so sicher ob sich da so dramatisch viel ändern wird, weil das Krankenhaus lebt doch von der Mensch zu Mensch Beziehung und ich glaube, dass Digitalisierung im Krankenhaus weniger das Arzt Patienten Verhältnis betrifft sondern eher die die Optimierung der Prozessabläufe im Krankenhaus selbst.

Dr. Sebastian Teschler: Definitiv eine Erweiterung. Das heißt auf der einen Seite mehr einbinden von Wissen in die Therapie. Beispielsweise akademische Schwerpunkte hiermit zu setzen. Das ist im Moment auch eine große Diskussion, die geführt wird. Welchen Stellenwert hat die Akademisierung. Das wir es schaffen Leitlinien besser mitzugestalten und einfach Versorgungsstruktur effizienter aufzubauen.

Armin Sülberg: Ich glaube da haben wir einen wichtigen Block neben der Digitalisierung, dass wir die grenzüberschreitende Anbindung vornehmen. Das heißt zum niedergelassenen Bereich, zum KV Bereich.  Wir haben ja jeder als Patient die gleichen Angaben, die wir beim Niedergelassenen machen, die im Krankenhaus noch einmal erfragt werden und zurück. Das ist ein Irrsinn.

Rainer Bensch: Was ist unter Hospital 4.0 zu verstehen – das Krankenhaus muss sich auch ändern, muss Patientin zentriert denken und muss viel mehr als bisher sektorenübergreifend seine Rolle finden. Patienten orientiert denken heißt nicht die Betten voll machen, nicht die Stationen voll machen, sondern in kürzester Zeit mit den besten wissenschaftlich fundierten Methoden den Patienten gesund machen. Und das heißt, dass Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und sonstige Gesundheitsdienstleister ganz eng am Patienten zusammenarbeiten.