Durchbruch für die Digitalisierung mit dem Krankenhauszukunftsgesetz

Endlich kommt Fahrt auf, das Gesundheitswesen wird digital! Nachdem lange Zeit vornehmlich über Standards und Bedarfe gesprochen wurde, kommt nun unerwartet schnell und konkret Bewegung in die Krankenhauslandschaft. Im Oktober 2020 wird das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) verabschiedet und in Kraft treten. Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz will die Bundesregierung auf Treiben von Gesundheitsminister Jens Spahn die Digitalisierung sowohl der krankenhausinternen Abläufe und Strukturen wie auch nun explizit die Interaktion und Kommunikation mit Patienten und Partnern, also insbesondere Ärzten und anderen Kliniken, vorantreiben. Damit setzt das BMG kurzfristig die Erfahrungen aus der COVID-19 Pandemie, die sowohl Defizite als auch Potenziale deutlich werden ließ, in strategische Maßnahmen um.

Das Besondere am KHZG: es zielt konkret auf eine Verbesserung des Austausches zwischen Patienten und Krankenhaus im Rahmen der Aufnahme und Entlassung und umfasst dabei erstmalig den gesamten Zyklus (vor, während und nach der Behandlung im Krankenhaus). Damit wird der Förderrahmen klar an den täglichen Druckpunkten des Krankenhauses ausgerichtet, die heute die Mitarbeiter der Aufnahme mit manuellen Doppelerfassungen und unzähligen Telefonanrufen für Anfragen belasten. Die Einführung von Patientenportalen wird als erstes Digitalisierungsthema gleich nach der infrastrukturellen Modernisierung der Notaufnahmen geführt und stellt damit die besondere Wichtigkeit und den Handlungsdruck in diesem Bereich heraus.

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) beschleunigt Digitalisierung des Gesundheitswesens

Entsprechend heißt es in der Erläuterung zum Gesetzesentwurf:

„Mit dem Ziel der verbesserten Kommunikation, des schnelleren Informationsaustauschs und der Erhöhung der Versorgungsqualität sollen hierüber zahlreiche Einzelfunktionalitäten umgesetzt werden. Dies schließt u. a. die digitale Terminvereinbarung, den Informationsaustausch mit vorgelagerten Leistungserbringern, die aktuelle Medikation, eine digitale Anamnese oder die Patientenaufklärung ein. Die Nutzung solcher Portale trägt nicht nur zu einer Entlastung der administrativen Prozesse vor Ort im Krankenhaus bei, sondern erlaubt es Patientinnen und Patienten, qualifizierte Behandlungsentscheidungen in ihrer gewohnten Umgebung abseits der Ausnahmesituation eines Krankenhausbesuches zu treffen.“

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG)
auf einen Blick

Förderungsfähige Vorhaben nach §19 Krankenhausstrukturfonds-Verordnung

Das KHZG auf einem Blick
Beantragung ab sofort bis 31.12.2021 für Software, Schnittstellen, Einrichtung, Technik, IT sowie Personal und Schulungsmaßnahmen

Das Krankenhauszukunftsgesetz reflektiert den Trend im Markt für digitale Lösungen, da sich inzwischen spezialisierte Hersteller für digitale Patientenportale und für regionale Kommunikationsportale erfolgreich etabliert haben. Das KHZG stellt es den Kliniken frei, sich für den Anbieter mit dem besten fachlichen, prozessualen und technischen Ansatz zu entscheiden. Gefördert wird vom Krankenhausszukunftsgesetz explizit auch die Anbindung der Portale an die KIS-Systeme und Klinik-Subsysteme über Schnittstellen; die Integration soll dabei nach den Branchenstandards erfolgen, das könnten dann z.B. HL7 oder IHE sein. Sobald die Telematik Infrastruktur verfügbar ist, soll auch eine Übertragung in die elektronische Patientenakte berücksichtigt werden.

Die Förderung kann bereits beantragt werden (Antragsfrist bis 31.12.2021) und umfasst alle Kosten für Beschaffung einer Software, Einrichtung der Schnittstellen, die ggf. benötigte Hardware sowie Personal- und Schulungsmaßnahmen zur Einführung; 15% der Förderung sind für Verbesserung der IT-Sicherheit einzusetzen. Damit ist erstmalig ein Komplettvorhaben zur Digitalisierung der Krankenhäuser zu 70% vom Bund finanzierbar, inklusive des erforderlichen Change Managements und der Einbindung der Mitarbeiter in einen erfolgreichen Wandel. Im Bedarfsfalle können die Länder die restlichen 30% beisteuern, so dass die Projekte für alle Kliniken realisierbar sind.

In Erweiterung zum ebenfalls verlängerten Krankenhausstrukturfond um 2 Jahre wird der neue Topf mit 3 Milliarden EUR seitens des Bundes und bis zu 1.3 Milliarden EUR von den Ländern wird einiges in Deutschland bewegen. Und die Krankenhäuser tun doppelt gut daran, die Chance zu nutzen: denn mit Aktualisierung des Krankenhausentgeltgesetzes soll ab 2025 ein 2%-Abschlag auf die Fallvergütung all die Häuser treffen, die nicht über die „notwendigen digitalen Dienste“ verfügen. Der Erfolg der angestrebten Transformation durch das Krankenhauszukunftsgesetz soll anhand von strukturierten Selbsteinschätzungen zum digitalen Reifegrad der Krankenhäuser jeweils zum 30. Juni 2021 und zum 30. Juni 2023 gemessen werden.

Gesetzesentwurf der Fraktionen CDU/CSU und SPD zum Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) als Download PDF:

Download Gesetzesentwurf KHZG

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