Die Digitalisierung im Gesundheitswesen und die Wünsche eines Patienten

von Arno Welzel

Vor einigen Jahren bin ich umgezogen in eine andere Stadt. Dort habe ich auch eine neue Hausärztin gesucht und ebenso einen neuen Zahnarzt. Auch einen weiteren Facharzt habe ich bereits einmal benötigt.

Wer schon einmal einen neuen Arzt aufgesucht hat, kennt die Situation: das Erste, was man als Patient zu tun hat, ist das Ausfüllen eines Anmeldebogens mit persönlichen Daten – natürlich mit Stift auf Papier und nicht elektronisch. Auch medizinische Daten wie Körpergröße, Gewicht, regelmäßig eingenommene Medikamente oder Allergien werden so erfasst. Das gesamte Prozedere wiederholt sich schließlich bei jeder Praxis erneut – und so habe ich in rund drei Jahren bereits drei Mal mehrere Seiten Papier ausgefüllt, um immer wieder weitgehend dieselben Daten aufzuschreiben. Ebenso habe ich eine umfangreiche Patientenakte meines ehemaligen Hausarztes in Papierform an die neue Praxis weitergegeben. Tatsächlich landen viele dieser Daten am Ende ohnehin in einem Computersystem, da die Arztpraxis selbstverständlich mit entsprechender Software arbeitet und sich nicht auf Patientenakten auf Papier beschränkt.

Hätte die elektronische Gesundheitskarte (eGK) das nicht lösen sollen? Eine elektronische Patientenakte, auf die jede Arztpraxis nach Freigabe durch den Patienten zugreifen kann, klingt auf den ersten Blick durchaus sinnvoll. In der Praxis wurde dies aber auch mehrere Jahre nach der Einführung der eGK nicht erreicht und so muss ich als Patient weiterhin immer wieder Papiere ausfüllen oder Befunde in Papierform weitergeben.

Datenschützer kritisieren eine zentrale Datenspeicherung im Gesundheitswesen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Jede Datensammlung weckt Begehrlichkeiten und keine Verschlüsselung ist dauerhaft sicher, sondern muss immer wieder an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden, um auch gegen leistungsfähigere Technik bestehen zu können. Auch das Argument für so eine Datensammlung, dass man im Notfall über die eGK die wichtigsten Informationen abrufen kann, ist für mich wenig plausibel: im Ernstfall zählt jede Sekunde und ein Online-Zugriff auf entsprechende Datenbanken der Krankenkassen, wofür ein als „Konnektor“ bezeichnetes Gerät in einem besonders gesicherten Bereich erforderlich ist, erscheint nicht realistisch.

Aber müssen wir deshalb komplett auf elektronische Datenverarbeitung verzichten?

Die Zahnarztpraxis, bei der ich mittlerweile Patient bin, bietet immerhin schon an Termine online anzufragen über ein Formular auf der Website. Dennoch musste ich dann vor Ort doch wieder viel Papier ausfüllen, was dann von Hand durch eine Mitarbeiterin der Praxis abgetippt und in die Praxissoftware übertragen wurde. Eine andere Ärztin, die ich aufgesucht hatte, ist Mitglied bei einem Online-Portal. So konnte ich dort ebenfalls online einen Termin vereinbaren. Der Aufnahmebogen war online abrufbar – aber es handelte sich dabei nur um eine PDF-Datei, die man ausdrucken und dann doch wieder von Hand ausfüllen und zum Termin mitbringen musste. Das so ausgefüllte Formular wurde dann in der Praxis wiederum am Computer abgetippt. Was für eine absurde Situation! Das Portal bietet auch eine App an und es gibt auch die Möglichkeit, dort nach anderen Ärzte für bestimmte Fachbereiche zu suchen – aber eben nur solche, die auch dort eingetragen sind. Auch das ist eine eher wenig überzeugende Lösung.

Weiter geht es mit meiner Krankenkasse. Diese bietet mittlerweile auch verschiedene Dienstleistungen online an. So kann man auch Krankmeldungen vom Arzt auch online als Scan einreichen. Ich frage mich, wieso das überhaupt noch ein Stück Papier sein muss, was man vom Arzt ausgestellt bekommt, um das dann der Krankenkasse weiterzugeben.

Ebenfalls wenig hilfreich ist es, wenn ich für die Suche eines geeigneten Arztes ein Dutzend Gesundheits- und Ärzteportale konsultieren muss oder man bei jeder Arztpraxis mit einer neuen App oder neuen Online-Verfahren konfrontiert wird. Um über zu E-Mail kommunizieren muss ich ja auch nicht jedes Mal ein anderes Programm installieren, sondern es genügt, die Adresse des Empfängers zu kennen.

Die Bedenken gegenüber zentraler Patientenakten bei den Krankenkassen kann ich durchaus teilen – aber es wäre schön, wenn Ärzte und Krankenkassen wenigstens einen gemeinsamen Standard für den Datenaustausch untereinander nutzen könnten. Wenn ich vom Hausarzt an einen Facharzt überwiesen würde, könnte dieser meine Daten einfach übernehmen und seine Diagnose und Behandlungswege auch wieder an den Hausarzt übermitteln, statt einen Haufen Papier mitnehmen zu müssen oder schlimmer noch, die Daten unverschlüsselt per E-Mail auszutauschen. Wenn ich vom Arzt eine Krankmeldung erhalte, würde diese online an die Krankenkasse übermittelt und ich müsste nicht erst ein Stück Papier abfotografieren oder per Post verschicken.

Ein Beitrag von Arno Welzel