Welche Vorteile würde ein sicherer Austausch von Patientendaten in Echtzeit für das Gesundheitswesen mit sich bringen?

Der digitale Austausch von Gesundheitsdaten bringt den großen Vorteil mit sich, dass alle Beteiligten parallel und von überall auf die Informationen zugreifen und sie in Echtzeit bearbeiten können. Dies verbessert die Diagnosefindung, Patientensicherheit und Versorgungsqualität, denn er verringert Fehler wie Arzneimittelverwechslungen und warnt vor Unverträglichkeiten. Eine digitale Akte ermöglicht, dass man auch in einem kritischen Fall genau nachvollziehen kann, wer wann was veranlasst hat und sie verhindert, dass es durch eine unleserliche Handschrift zu Missverständnissen kommt.

Ein wichtiger Aspekt digitaler Patientenakten ist die Verbesserung des Entlassmanagements. Die intersektorale Kommunikation gestaltet sich oft schwierig und Kliniken haben häufig auch Probleme, die Entlassdokumente rechtzeitig zur Verfügung zu stellen oder die Daten im Vorfeld der Entlassung auszutauschen, sodass Patienten länger als nötig im Krankenhaus verweilen müssen oder es zu MDK-Abzügen kommt. Das führt zu gestressten Mitarbeitern und unzufriedenen Patienten und Angehörigen.

Große Herausforderungen bringt der Echtzeit-Datenaustausch zwischen den verschiedenen Leistungserbringern mit sich, weil diese unterschiedliche Klinikinformationssysteme und Praxisinformationssysteme nutzen und auch eine unterschiedliche Bereitschaft haben, überhaupt mit der Digitalisierung umzugehen. Die gesetzlichen Regelungen fordern eine Implementierung bis 2021. Die erfolgreiche und fristgerechte Umsetzung wird von Klinikgeschäftsführer zwar skeptisch betrachtet, aber unbedingt gewünscht.

Rundfrage auf dem Krankenhaus-Branchentreff 2018 in Berlin

Patientendaten sicher und in Echtzeit austauschen. Was sind die Vorteile?Thomas A. Kräh – Geschäftsführer medius KLINIKEN

Großer Vorteil ist natürlich, dass in Echtzeit, an jedem Laptop, an jedem Terminal, wo ein Arzt arbeitet, die Daten in Echtzeit vorhanden sind. Das heißt, es dient unglaublich einer Verbesserung der Diagnosefindung. Und das ist auch die Basis zur Versorgung der uns anvertrauten Patienten. Das ist das allerwichtigste. Und vielleicht auch aus Sicht der Mitarbeiter und aus Sicht der Patienten: eine Arzneimittelversorgung im Krankenhaus bzw. eine Arzneimittelverwechslung ist eine sehr häufige Fehlerursache. Das kann man nachlesen im Internet. Das führt häufig zu Verwechslungen von Medikamenten und können zu kritischen Situationen beim Patienten führen. Wie passiert das? Weil etwas nicht gelesen wird, nicht vollständig erkannt wird. Wenn ich es digital in der Patientenakte habe und wenn ich ein Armband habe, das wir auch haben bei den Patienten, dann kann ich das in einem geschlossenen Verfahren, das nennt sich Closed Loop Process, den Mitarbeitern und Patienten die Sicherheit gewährleisten, dass sie diese Medikamente, die der Arzt ihnen verordnet, auch jeden Tag früh mittags abends bekommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Gesundheitswesen. Das muss man fairerweise so sagen. Gerade in der Vergangenheit im letzten halben Jahr gab es in unserer Region erhebliche Schwierigkeiten durch Arzneimittelverwechslungen. Mit entsprechenden Folgen, die keiner haben will. Und da wollen die Mitarbeiter und die Patienten diese Sicherheit haben. Das ist ein klarer Qualitätsvorteil und den bekommt man erst mit einer elektronischen Patientenakte.

Judith Heepe – Pflegedirektorin der Charité Universitätsmedizin Berlin

Also ich glaube, das kann man noch nicht einmal berufsgruppenspezifisch betrachten, denn es ist in der Tat für alle am Prozess beteiligten eine Erleichterung. Wenn ich sage ‚Patientensicherheit erhöhen‘, dann meine ich damit: Wir haben bislang Zeiten erlebt, in denen auf Therapiezetteln Anweisungen geschrieben wurden, in Handschrift, die manchmal schwer leserlich war und manchmal ließ sich auch nicht nachvollziehen, wer wann was dokumentiert hat. Eine digitale Akte ermöglicht, dass ich auch in einem kritischen Fall genau nachvollziehen kann, wer wann was veranlasst hat und wo es eben nicht durch eine unleserliche Handschrift zu Missverständnissen kommen kann.

Christoph Schmitz – Kaufmännischer Direktor Marienkrankenhaus Hamburg

Ein ganz wichtiger Aspekt ist das Entlassmanagement. Heute haben wir da große Probleme in der Kommunikation miteinander. Wir schaffen es nicht rechtzeitig, die Daten im Vorfeld der Entlassung auszutauschen, was dann eben dazu führt, dass der Patient zum Beispiel zu lange bei uns im Haus verweilt. Dann bekommen wir Probleme mit dem MDK, haben MDK-Abzüge oder es sind bestimmte Dinge, die nicht rechtzeitig erledigt sind, wo die Angehörigen dann auch unzufrieden sind. Insofern ist es ein ganz großer Gewinn, wenn wir genau diese Barriere, diese Hürden beseitigt bekommen und da einen schnellen Datenaustausch hinbekommen.

Prof. Dr. Norbert Roeder – Medizinischer Geschäftsführer Klinikum Mittelbaden

Der Austausch zwischen verschiedenen Leistungserbringern in Echtzeit ist ein sehr gutes Ziel, aber das zu erreichen wird in Deutschland vermutlich noch einige Jahre dauern, weil wir unterschiedliche Klinikinformationssysteme haben, unterschiedliche Praxisinformationssysteme und auch eine unterschiedliche Bereitschaft, überhaupt mit der Digitalisierung umzugehen. Jetzt haben wir ja gesetzliche Regelungen, die auch die elektronische Krankenakte für den Patienten, ich sage mal, die elektronische Krankenakte to go, implementieren sollen bis 2021. Und nun schauen wir mal, ob das, was sich das unser Bundesgesundheitsminister wünscht, ob es denn auch in die Umsetzung kommt. Es wäre sehr zu wünschen. Ich persönlich bin ein großer Freund davon, aber ich habe Bedenken, dass wir auch in kurzer Zeit unsere ganzen Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Berufsgruppen so überzeugen können, dass es auch intensiv genutzt wird.

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